​Es scheint einer der grössten Skandale in Hollywood zu werden: Etliche Frauen werfen dem Produzenten Harvey Weinstein sexuelle Belästigung vor, sogar Vergewaltigungsvorwürfe stehen im Raum. Einige Vorwürfe um den Produzenten, dessen Filme über 70 Oscars gewinnen konnten, gehen über 20 Jahre zurück.

Insgesamt 13 Frauen äusserten sich bisher zu den sexuellen Übergriffen, von den 1990er Jahren bis zum Jahr 2015, wie der «New Yorker» berichtet. Zu den Opfern gehören Hollywood-Grössen wie Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow. Und die Liste scheint noch lange kein Ende zu finden.

Angelina Jolie erzählte der «New York Times», sie habe andere Frauen vor Weinstein gewarnt. (Getty)

Immer mehr Frauen melden sich

Warum die Frauen sich nicht schon früher gemeldet haben, fragen sich jetzt viele. Beantworten können sie das nur selbst, aber die Situation ist nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick scheinen mag.

Wenn man am Anfang der eigenen Karriere steht, gerade mal 20 Jahre jung ist und von einem der erfolgreichsten Menschen im Showbusiness zu einem geschäftlichen Frühstück eingeladen wird, dann hofft man auf ein Jobangebot. Wenn man dann aber statt ins Restaurant direkt in das Hotelzimmer gebracht wird und dem einflussreichen Herren beim Duschen zusehen soll, wie reagiert man da? Vor allem, wenn scheinbar das ganze Business dieses Verhalten toleriert? Genau das erlebte die heute erfolgreiche Schauspielerin Ashley Judd.

Ashley Judd sprach nun über ihre Erlebnisse mit dem Produzenten. (Getty)

​Gwyneth Paltrow sagte gegenüber der «New York Times», dass sie vor ihrer Rolle in «Emma» ein Meeting mit Weinstein hatte. Er habe der damals 22-Jährigen vorgeschlagen das Treffen doch in seinem Schlafzimmer mit einer Massage fortzusetzen. Sie lehnte ab, woraufhin er eine Drohung ihr gegenüber aussprach.

Ich war noch ein Kind und wie versteinert.

Gwyneth Paltrow

Übergriffe bei geschäftlichen Meetings

Wie der «New Yorker» berichtet, wussten mindestens 16 ehemalige und aktuelle Mitarbeiter von Weinsteins Unternehmen von den Übergriffen bei geschäftlichen Treffen, hatten sie teilweise sogar beobachtet. Meist handelte es sich bei den Frauen um junge Schauspielerinnen und Models. Und alle dieser Mitarbeiter sagten gegenüber der Zeitung, dass Weinsteins Verhalten in seinen beiden Produktionsfirmen Miramax und The Weinstein Company bekannt war.

Einige der Frauen, mit welchen der «New Yorker» sprach, haben noch heute Angst davor, ihre Identität preiszugeben – aus Angst, Weinsteins Einfluss könnte ihre Karriere zerstören.

Immer mehr Stars nehmen Stellung

Nun sprechen immer mehr Hollywood-Stars die Geschehnisse an. Ben Affleck, der für «Good Will Hunting», ein von Weinstein produzierter Film, einen Oscar gewann, hat sich kürzlich per Twitter geäussert.

Die Schauspielerin Rose McGowan, eines der Opfer, behauptet allerdings, Affleck wisse schon seit Jahren von den Ereignissen, sie habe nach dem Übergriff auf sie im Jahr 1997 sogar mit ihm darüber gesprochen.

Es scheint, als würden immer mehr Details zu Opfern und Mitwissern an die Öffentlichkeit geraten – und der Fall Weinstein entwickelt sich rasant zu einem Skandal, wie Hollywood ihn selten gesehen hat.

Der Produzent hat bisher einige Vorwürfe dementiert, sich aber nach eigenen Angaben auch in Therapie begeben.

facts & figures

Harvey Weinstein
Der US-Amerikaner gründete 1979 mit seinem Bruder die Produktionsfirma Miramax und 2005 das Unternehmen Weinstein Company. Sie produzierten Filme wie Scary Movie, Chicago, Pulp Fiction, Good Will Hunting, Django Unchained, The King’s Speech und Aviator.