​«Wenn ich durch Crowdfunding wieder ein normales Leben führen könnte, würdest du mich unterstützen?» Diese Frage stellte der Zürcher Oliver Tewelde am 9. Januar auf Facebook. Der 23-Jährige nutzt das soziale Netzwerk, um auf eine «Crowdfunding-Aktion für sein Leben» aufmerksam zu machen, wie er es nennt.

Gemäss seiner Schilderung in einem Facebook-Video hatte der Koch vor zwei Jahren einen Velounfall, bei dem eine Frau verletzte wurde. Sie habe sich den Arm gebrochen und einige andere Blessuren davongetragen. Kurz zuvor habe seine Mutter aus finanziellen Gründen die Haftpflichtversicherung der Familie gekündigt. Oliver sei also nicht versichert gewesen. Der Frau gehe es inzwischen wieder gut, aber Oliver muss nach einem Gerichtsurteil alle Kosten, die der Unfall nach sich zog, selbst tragen, wie er erzählt. Bis heute belaufen sich diese laut Oliver auf 40’000 Schweizer Franken.

Weil er sich deshalb seit einiger Zeit weder Zahnpasta noch Deo leisten könne und inzwischen auch das Begleichen der Miete und Krankenversicherung eng werde, bittet er nun das Netz um Hilfe. Eigentlich wollte er seinen Aufruf auf Crowdfunding-Plattformen platzieren, aber keine hat das Projekt zugelassen, sagt der Zürcher. Deshalb jetzt eben auf Facebook.

«Kein Album oder Pop Up-Restaurant. Das ist Crowdfunding für mein Leben.»

Im Beitrag gibt Oliver seine Kontodaten an, damit man ihm direkt einen kleinen - oder grösseren - Betrag überweisen kann.

Bemerkenswert: Unter dem Aufruf sind kaum kritische Kommentare zu lesen. Die Facebook-User scheinen von der Aktion begeistert zu sein. In den Kommentaren wird Oliver immer wieder für seinen Mut gelobt und viele wünschen ihm, dass er das Geld schnell zusammen hat.

In nur zwei Tagen hat das Video schon über 20’000 Aufrufe und wurde 300 Mal geteilt.

Der Gerichtspsychiater Thomas Knecht denkt, dass Olivers Kampagne erfolgsversprechend angelegt ist. Auch die vielen positiven Reaktionen der anderen User überraschen ihn nicht. Wer die Sache nicht unterstützen möchte, der würde sich auf Facebook vermutlich einfach gar nicht äussern, so Knecht. Denn «Spenden zu leisten ist grundsätzlich etwas sozial Positives und immer auch ein Akt der Selbstdarstellung. Man zeigt seine moralische Integrität und seine Grosszügigkeit, also durchaus wünschenswerte Eigenschaften, die man ganz gern hin und wieder ins Schaufenster stellt.»

Oliver verspricht in seinem Beitrag, dass er die User und potentiellen Spender über den Verlauf der Aktion auf dem laufenden hält. Wir sind gespannt, ob und wie schnell der Zürcher sein Leben durch den Aufruf finanziert bekommt.