Plötzlich berührt einen etwas Glitschiges am Bein. Diesen Schreckmoment kennen Schwimmer sonst nur vom Meer. Doch jetzt erschrecken Quallen auch im Zürichsee ahnungslose Badegäste! «Bei diesen hohen Temperaturen vermehren sie sich schon fast explosionsartig», sagt Thomas Posch, Professor für Gewässerforschung an der Universität Zürich, auf Anfrage von Energy.

Quallen schwimmen an die Oberfläche

Während viele Fische unter der hohen Temperatur leiden, entwickeln sich die Süsswasserquallen (lat. Craspedacusta sowerby) bei 25 bis 27 Grad besonders gut. Normalerweise leben sie als kleine Polypen tief unten, werden aber bei diesen Temperaturen grösser und tauchen an der Wasseroberfläche auf.

Auch im Neuenburgersee oder im Greifensee wurden die Tiere in Rekordsommern schon gesichtet. Thomas Posch schwärmt: «Das ist ein Highlight für jeden Biologen.» Eine weniger angenehme Vorstellung für alle Schwimmer.

Sieht gefährlicher aus, als sie ist

Die Qualle ist ausgewachsen mit 2 Zentimetern deutlich kleiner, sieht aber aus «wie eine kleine weisse Qualle, die man aus dem Meer kennt». «Man muss also nicht denken, dass man verrückt ist, wenn man im Zürichsee schwimmen geht und Quallen sieht.»

Sobald es richtig heiss wird, wachsen die Quallen im Zürichsee. (Getty)

Doch nach dem Schreckmoment folgt die Entwarnung des Gewässerforschers. Es gibt keinen Grund zur Panik: Die Quallen seien für den Menschen absolut harmlos. «Die einzigen, die sich fürchten müssen, sind die Kleinkrebse im Zürichsee, die gefressen werden.» Man könne die Süsswasserquallen theoretisch sogar in die Hand nehmen, ohne einen Schmerz zu spüren.

Schönes Naturschauspiel

Um zu fressen, steigen die Quallen im Wasser auf und sinken wieder ab. Posch verspricht: «Das ist wirklich ein schönes Naturschauspiel.»

Und er hat noch eine gute Nachricht für alle Wasserratten: Bereits nächste Woche dürfte es Badetemperaturen bis zu 28 Grad geben. «Vermutlich können wir bis im September im Zürichsee baden.»