Der deutsche Singer-Songwriter Tim Bendzko wurde 2011 quasi über Nacht bekannt mit seinem Song „Nur noch kurz die Welt retten“. Das Lied mutierte zum grossen Hit und konnte sich über ein halbes Jahr in der offiz. Schweizer Hitparade halten. Vor kurzem erschien sein drittes Album „Immer noch Mensch“.

Dein neues Album heisst „Immer Noch Mensch“. Wieso dieser Titel? Ich habe beim Schreiben der Songs und während der Produktion festgestellt, dass es sich inhaltlich irgendwie um das Thema Mensch sein dreht. Wie definiere ich mich selber? Wer definiert mich? Warum definiert man sich überhaupt? Wie gehe ich mit mir und meiner Umwelt um? Nach den vier oder fünf Jahren in denen ich nur unterwegs war, bin ich nach Hause gekommen und hatte das Gefühl wieder bei null anzufangen. Du sitzt wieder vorm leeren Blatt Papier und hast eigentlich nichts geschafft und nichts geleistet. Wenn das jetzt nichts wird, dann geht halt nix mehr. Für mich ist das auch so ein Titel, der für mich heißt, dass ich alles auf null stellen kann und einfach wieder Mensch bin. Dann gucken wir mal wie es weitergeht.

Brauchst du Termindruck um neue Songs zu schreiben?
Ich habe lustigerweise immer geglaubt, dass ich Termindruck brauche, um neue Songs zu schreiben. Das liegt halt dann auch in der Natur der Sache. Man schreibt dann eben auch einen Song, wenn man halt unbedingt einen braucht. Und meistens kommen dabei auch gute Sachen heraus. Aber wenn man das oft macht, sich solche „für-sich-selber-Auftragswerke“ schreibt, dann fängt man an, das so ein bisschen automatisiert zu schreiben. Mit jedem Song wachsen die Mechanismen, wie man Songs schreibt und dann werden das halt Songs, die möglicherweise auch sehr gut sind, die aber eigentlich nicht so richtig Seele haben. Ich habe für mich gemerkt, dass man sich beim Songschreiben auch mal Zeit lassen kann. Wenn ich das Gefühl habe, jetzt dreh ich mich im Kreis bzw. ich steh vor einer Wand und komme nicht drüber, dann kann ich den Song einfach weglegen und in ein paar Wochen nochmal „auspacken“, um ihn weiterzuschreiben.

Im Booklet ist dein Hund Fridolin
als Co-Produzent angegeben. Wieso? Fridolin ist eigentlich der Einzige, neben mir, der die ganze Zeit alle Songs kannte. Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn er nebenbei einschläft. Ich habe das Gefühl, er hat die ganze Zeit geschlafen. Und deshalb ich das gute Gefühl, dass es in die richtige Richtung geht.