Es passiert immer wieder, dass Flüge überbucht werden. Wie United Airlines jetzt mit einer solchen Situation umging, ist allerdings mehr als bedenklich: Sie suchten auf dem Flug 3411 von Chicago nach Louisville vier Freiwillige, die ihren Platz räumen würden, weil sie Plätze scheinbar für Flugbegleiter brauchten. Niemand meldete sich, also entschied das Los. Einer der Unglücklichen war ein Arzt, der sich weigerte auszusteigen – und das aus gutem Grund: Er war auf dem Weg in ein Krankenhaus, um dort Patienten zu behandeln.

Den Mitarbeitern von United war das allerdings herzlich egal, wie eine Videoaufnahme zeigt, die ein anderer Passagier gemacht hat. Der Arzt wird aus seinem Sitz gezerrt und an den Armen aus dem Flugzeug geschleift. Die Bilder, die sich gerade in rasender Geschwindigkeit im Netz verbreiten, scheinen wie aus einem Actionfilm und nicht aus dem echten Leben.

Auf Social Media hagelt es nun entsetzte Reaktionen – und einen riesigen Shitstorm für United Airlines.

​Wie ein anderes Video zeigt, das ebenfalls auf Twitter gepostet wurde, wurde der Arzt bei der ganzen Sache sogar verletzt:

​United Airlines selbst hat ebenfalls auf Social Media reagiert, in Form eines kurzen und recht kalten Statements des CEO Oscar Munoz:

​«Das ist ein bestürzender Vorfall für uns alle bei United Airlines. Ich entschuldige mich dafür, dass wir diese Kunden umbuchen mussten. Unser Team arbeitet eindringlichst daran, mit den Behörden und den Fall zu untersuchen. Ausserdem setzten wir uns mit diesem Passagier in Verbindung, um persönlich mit ihm zu sprechen und die Situation zu klären.»

Das ist bereits das zweite mal innert kürzester Zeit, dass United Airlines für negative Schlagzeilen sorgt. Kürzlich geriet die Fluggesellschaft in die Medien, weil sie Mädchen in Leggings wegen Kleidervorschriften nicht ins Flugzeug gelassen hatten.

Was für Entschädigungen leisten andere Airlines?

Energy hat bei anderen Fluggesellschaften nachgefragt, wie Überbuchungen gehandhabt werden. Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek schildert: «Bei einem Passagier, der zuletzt eingecheckt und keinen festen Sitzplatz reserviert hat, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass er zuerst abgeladen wird. Es gibt aber auch Ausschlusskriterien, wie zum Beispiel allein reisende Kinder – die würden natürlich nicht von dem Flug zurücktreten müssen.»

Im Falle einer Überbuchung gibt es allerdings auch einen rechtlichen Schutz für Fluggäste. Franco Muff von Ombudsman Touristik erklärt, dass die Airline Betreuungsleistungen bringen muss, beispielsweise einen Gutschein für Getränke und Essen während der Wartezeit ausstellen. «Ausserdem haben Passagiere einen Ausgleichsanspruch. Je nach Distanz des Fluges sind das 250, 400 oder 600 Euro. Und man muss sie natürlich so schnell wie möglich transportieren oder – falls ein Flug für den Passagier keinen Sinn mehr macht – eine Rückerstattung leisten.»